Abrechnungsprüfung & -optimierung
Abrechnungsprüfung und -optimierung bezeichnet Software und Dienste, die auf fehlende Ziffern, Kodierungsfehler und Streichungsrisiken hinweisen, je nach Produkt durch eine Prüfung der erfassten Leistungen vor der Abgabe, schon beim Dokumentieren der Behandlung oder durch eine Auswertung bereits abgerechneter Quartale.
Was Abrechnungsprüfung leistet
Der Honorarbescheid der Kassenärztlichen Vereinigung kommt Monate nach dem Quartal. Gestrichene Leistungen teilen einige KVs schon vorher mit und nehmen innerhalb einer Frist noch Berichtigungen an. Fristen und Bedingungen unterscheiden sich je nach KV. Wie sehr die Abrechnung belastet, zeigt eine Befragung von 947 Hausärztinnen und Hausärzten im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums. 60 Prozent stuften darin den Zeitaufwand für administrative Tätigkeiten bei der Abrechnung als sehr problematisch ein. In den Befragungen von 2012, 2015 und 2019 waren es jeweils etwa 52 Prozent (IHP-Survey 2022).
Je nach Produkt liest die Software die bereits erfassten Leistungen und meldet, was fehlt, falsch kodiert ist oder gestrichen zu werden droht, oder sie schlägt die Abrechnungsziffern schon beim Dokumentieren der Behandlung vor. Auch der Umfang unterscheidet sich. Manche Produkte warnen vor der Abgabe, wenn eine Ziffer nicht neben einer anderen abrechenbar ist oder ein Regress droht, schlagen bei einem erhöhten Steigerungsfaktor nach der GOÄ eine schriftliche Begründung vor oder prüfen neben den Leistungsziffern auch die Diagnosekodierung. Einige vergleichen zudem das Ziffernspektrum der Praxis mit dem anderer Praxen derselben Fachgruppe. Das zeigt Ziffern, die eine Praxis seltener abrechnet als vergleichbare Praxen.
Beim Abspielen werden Daten an YouTube übertragen.
Der Zeitpunkt der Prüfung
Je nach Produkt läuft die Prüfung vor der Abgabe der Abrechnung oder als Auswertung bereits abgerechneter Quartale. Für die Prüfung vor der Abgabe lesen einige Produkte eine Probeabrechnung, die das Praxisverwaltungssystem als Datei erzeugt, andere lesen die Daten laufend über eine Anbindung an das Praxisverwaltungssystem. Findet die Prüfung Fehler, korrigiert die Praxis sie im Praxisverwaltungssystem, bevor sie die Abrechnung einreicht. Nachgetragen wird dabei nur, was vollständig erbracht wurde. Eine Probeabrechnung lässt sich auch schon während des Quartals erzeugen und prüfen. Dann bleibt zusätzlich Zeit für Hinweise, die einen weiteren Patientenkontakt im selben Quartal verlangen.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
Prüfen Sie zuerst die Abdeckung. Manche Produkte prüfen nur die KV-Abrechnung nach EBM, andere auch die Privatabrechnung nach GOÄ oder Verträge wie die Hausarztzentrierte Versorgung. Wer auf mehreren Wegen abrechnet, lässt mit einem Produkt, das nicht alle abdeckt, einen Teil seiner Abrechnung ungeprüft. Danach kommt der Weg der Daten. Je nach Produkt liest die Software eine Probeabrechnung als Datei, greift über eine Schnittstelle auf das Praxisverwaltungssystem zu oder läuft als Funktion im Praxisverwaltungssystem selbst. Unterschiede gibt es schließlich in der Arbeitsweise, von der automatischen Prüfung im Hintergrund bis zur zubuchbaren Beratung durch Abrechnungsfachleute, die die Hinweise mit dem Team durchgehen. Diese Beratung ist sinnvoll, wenn niemand in der Praxis die Meldungen der Software einordnen kann.
Woran sich die Produkte unterscheiden
Nach genau diesen Kriterien lässt sich der Vergleich filtern.
- KV-Abrechnung nach EBMDie Software arbeitet mit dem Leistungskatalog, über den Sie gesetzlich Versicherte gegenüber Ihrer Kassenärztlichen Vereinigung abrechnen. Ohne diese Abdeckung bleibt Ihre KV-Abrechnung ungeprüft.
- Warnt vor Streichungen und RegressDie Software meldet vor der Abgabe, wenn eine Ziffer nicht neben einer anderen abrechenbar ist, ein Zeitprofil überschritten wird oder ein Regress droht. So kann die Praxis den Fehler korrigieren, bevor die Kassenärztliche Vereinigung die Leistung streicht.
- Prüft auch die DiagnosenDie Software prüft nicht nur, welche Leistung Sie abrechnen, sondern auch, ob die dazugehörige Diagnose vollständig und passend verschlüsselt ist.
- Deckt die Privatabrechnung nach GOÄ abDie Software kennt die Gebührenordnung für Ärzte, nach der Sie Privatpatienten und Selbstzahler in Rechnung stellen. Reine Kassen-Werkzeuge lassen diesen Teil Ihres Umsatzes ungeprüft.
- Schlägt beim Steigerungsfaktor eine passende schriftliche Begründung vorÜberschreitet eine Gebühr das 2,3fache des Gebührensatzes, bei bestimmten Leistungen schon das 1,8fache oder das 1,15fache, muss die Rechnung das für den Zahlungspflichtigen verständlich und nachvollziehbar schriftlich begründen. Fällig wird die Vergütung erst mit einer Rechnung, die der GOÄ entspricht. Diese Software schlägt Begründungen für erhöhte Steigerungsfaktoren vor.
- Die Ziffern entstehen aus dem gesprochenen Wort während der Behandlung, nicht aus den bereits erfassten AbrechnungsdatenDie Software hört beim Behandeln zu oder nimmt Ihr Diktat auf und leitet daraus die Abrechnungspositionen ab. Andere Werkzeuge prüfen die Leistungen, die Ihr Team bereits erfasst hat.
- Zeigt im laufenden Quartal, mit welchem KV-Honorar Sie rechnen können und wo Mengenbegrenzungen greifenWie die Kassenärztliche Vereinigung das Honorar verteilt, regelt ihr Verteilungsmaßstab. Er muss Regelungen enthalten, die eine übermäßige Ausdehnung der Tätigkeit verhindern. Die allgemeinen hausärztlichen Leistungen des EBM-Kapitels 3 und die hausärztlichen Hausbesuche bezahlt die KV seit dem 1. Oktober 2025 ohne Mengenbegrenzung. Die Software zeigt Ihnen im laufenden Quartal, welches Honorar Sie erwarten können und wo eine Begrenzung greift.
- Vergleicht Ihr Ziffernspektrum mit dem anderer Praxen Ihrer FachgruppeSie sehen, ob Ihr Ziffernspektrum und Ihr Fallwert über oder unter dem Durchschnitt vergleichbarer Praxen liegen. Das deckt Ziffern auf, die Sie systematisch seltener abrechnen als üblich.
- Prüft auch Verträge außerhalb der KV-Abrechnung, etwa die Hausarztzentrierte Versorgung und SelektivverträgeFür die Hausarztzentrierte Versorgung und andere Selektivverträge gelten eigene Regeln, und sie werden teils außerhalb der KV-Abrechnung abgerechnet. Rechnet Ihre Praxis solche Verträge ab, prüft ein Produkt ohne diese Funktion diesen Teil nicht.
- Menschliche Abrechnungsberatung zubuchbarNeben der Software können Sie Abrechnungsfachleute hinzubuchen, die Ihre Zahlen mit Ihnen durchgehen. Das hilft, wenn niemand im Team die Hinweise der Software einordnen kann.
- Prüft die erfassten Abrechnungsdaten auf fehlende, falsch kodierte oder streichungsgefährdete PositionenDie Software liest Ihre bereits erfassten Leistungen und meldet, was fehlt, falsch verschlüsselt ist oder gestrichen zu werden droht.
- Die Praxis reicht ihre KV-Abrechnung weiterhin selbst einDie Software prüft oder schlägt vor. Die KV-Abrechnung reicht die Praxis weiterhin selbst ein. Wer die Privatabrechnung abgeben will, findet Anbieter in der Kategorie Abrechnungsdienst.
- Prüfung im laufenden Quartal, nicht erst zum AbschlussDie Software prüft schon während des laufenden Quartals, über eine laufende Anbindung an das Praxisverwaltungssystem oder über eine Probeabrechnung, die Sie auch während des Quartals erzeugen. So bleibt Zeit für Hinweise, die einen weiteren Patientenkontakt im selben Quartal verlangen.
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Häufige Fragen
Worin unterscheidet sich Abrechnungsprüfung vom Abrechnungsdienst?
Bei der Abrechnungsprüfung reicht die Praxis ihre KV-Abrechnung weiterhin selbst ein. Die Software prüft oder schlägt vor. Ein Abrechnungsdienst übernimmt dagegen die Abrechnung, bei Privatpatienten etwa vom Erstellen der Rechnung bis zum Forderungsmanagement. Wer die Privatabrechnung, die Abrechnung bestimmter Selektivverträge oder die Abrechnung von Hybrid-DRG abgeben will, findet dort passende Dienste.
Kann die Software eine erfolgte Streichung rückgängig machen?
Nein. Gegen einen ergangenen Honorarbescheid kann die Praxis innerhalb eines Monats Widerspruch bei der Kassenärztlichen Vereinigung einlegen. Ob die KV danach noch eine Berichtigung annimmt, unterscheidet sich je nach KV. Die Software setzt davor an. Je nach Produkt meldet sie streichungsgefährdete Positionen vor der Abgabe, damit die Praxis sie noch korrigieren kann.
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