Digitale Diagnostik
Digitale Diagnostik umfasst Software, die diagnostische Untersuchungen auswertet oder die ärztliche Befundung unterstützt, von der KI-gestützten Auswertung von Bildern und Messkurven bis zur strukturierten Erfassung von Symptomen.
Was digitale Diagnostik leistet
In der Diagnostik entstehen viele Ergebnisse digital, etwa Röntgen- und MRT-Aufnahmen oder EKG-Kurven. Fehlt eine Anbindung an das Praxisverwaltungssystem (PVS), muss jemand ein solches Ergebnis von Hand in das PVS übertragen oder ablegen. Jede Übertragung von Hand kostet Zeit und ist eine mögliche Fehlerquelle.
Digitale Diagnostik setzt bei der Auswertung an: Software erkennt Muster in Messkurven oder Bildern, wertet standardisierte Testverfahren aus oder ordnet Symptome ein und liefert dem Arzt damit einen Ausgangspunkt für den eigenen Befund.
So verschieden die Untersuchungen sind, so verschieden sind die Produkte. Eine Software, mit der Patienten psychische Symptome strukturiert erfassen, hat mit einer KI zur Auswertung von Mammographien wenig gemeinsam. Die Auswahl beginnt deshalb beim eigenen Einsatzzweck.
Von der KI-Auswertung bis zur Akte
KI-gestützte Auswertung schlägt eine Interpretation vor, markiert Auffälligkeiten oder sortiert, was zuerst angesehen werden sollte. Die meisten Produkte liefern damit Vorarbeit für den ärztlichen Befund. Einzelne Hersteller geben an, ihr Produkt sei auch für eine eigenständige Befundung zertifiziert.
Dazu kommen Werkzeuge für einzelne Einsatzgebiete, etwa Verfahren, bei denen Patienten ihre Symptome am Bildschirm selbst erfassen und die Software daraus Diagnosevorschläge ableitet.
Wie das Ergebnis in die Akte gelangt, unterscheidet sich von Produkt zu Produkt. Manche Produkte laufen im PVS oder im PACS, dem Bildarchivsystem der Praxis, und zeigen ihre Ergebnisse dort an. Andere laufen in einer eigenen Oberfläche im Browser.
Software als Medizinprodukt
Software, die der Diagnose dient, kann ein Medizinprodukt sein, je nach Zweckbestimmung des Herstellers. Als Medizinprodukt braucht sie eine CE-Kennzeichnung. Software, die Informationen für diagnostische oder therapeutische Entscheidungen liefert, fällt nach der europäischen Medizinprodukteverordnung (MDR) in der Regel mindestens in Klasse IIa und durchläuft damit ein Konformitätsbewertungsverfahren mit Benannter Stelle, einer staatlich benannten unabhängigen Prüfstelle.
Für die Praxis folgt daraus zweierlei. Erstens muss die Zweckbestimmung des Produkts den geplanten Einsatz abdecken, denn außerhalb seiner Zweckbestimmung ist auch ein CE-gekennzeichnetes Produkt nicht für diesen Einsatz bewertet. Zweitens ändert die CE-Kennzeichnung nichts an der ärztlichen Verantwortung. Die Letztverantwortung für die Diagnose bleibt beim Arzt, und welche Haftungsrisiken der Einsatz mit sich bringt, hängt vom jeweiligen System und seinem Einsatzbereich ab.
Worauf Sie bei der Auswahl achten sollten
Klären Sie zuerst den Einsatzzweck, also welche Untersuchung Sie digital auswerten wollen. Danach entscheidet die Integrationstiefe. Ein Ergebnis, das automatisch in der Akte des richtigen Patienten landet, muss niemand abtippen oder einscannen. Liegt das Ergebnis in einer eigenen Software, prüfen Sie, wie es in die Behandlungsakte gelangt.
Bei KI-gestützter Auswertung kommt die Nachvollziehbarkeit hinzu. Je weniger der Arzt erkennen kann, worauf eine Einschätzung beruht, desto sorgfältiger sollte er sie auf Plausibilität und Richtigkeit prüfen.
Woran sich die Produkte unterscheiden
Nach genau diesen Kriterien lässt sich der Vergleich filtern.
- CE-gekennzeichnetes MedizinproduktDie Software trägt eine CE-Kennzeichnung als Medizinprodukt. Software kann ein Medizinprodukt sein, je nach Zweckbestimmung des Herstellers.
- Ohne eigene HardwareDie Praxis kann das Werkzeug auf ihren vorhandenen Daten und Geräten einsetzen. Systeme, die ein eigenes Dermatoskop, eine eigene Ganzkörperkamera oder ein eigenes Messgerät des Anbieters voraussetzen, bedeuten eine Investition, bevor der erste Befund entsteht.
- Läuft im vorhandenen PVS oder PACSDas Werkzeug läuft in der Software, die das Team ohnehin bedient, statt in einer zweiten Oberfläche mit eigenem Login.
- Ergebnis landet in der AkteDer Befund landet ohne Abtippen in der Akte, nicht nur im Archiv des Werkzeugs. Ohne diesen Rückweg ist die Dokumentation Handarbeit.
- Priorisiert die Arbeitsliste nach AuffälligkeitDas System sortiert unauffällige Fälle aus oder zieht auffällige nach vorn, statt jeden Fall gleich zu behandeln.
- Der Patient erhebt einen Teil der Daten selbstFragebogen, Foto oder Messung kommen vom Patienten, nicht vom Praxisteam. Der Patient erfasst die Angaben selbst und muss dafür mitwirken.
- Screening auf dem Patientenbestand statt auf EinzelanforderungDas Werkzeug durchsucht die vorhandene Kartei und meldet Auffälligkeiten von sich aus. Der Gegenentwurf ist ein System, das nur antwortet, wenn jemand einen Fall einreicht.
- Eigenständiger Befund statt Assistenz zum ärztlichen BlickNach Angabe des Herstellers ist das System dafür zertifiziert, einen Fall eigenständig zu befunden, statt dem Arzt nur einen Hinweis zu geben. Prüfen Sie, welche Aufgaben das System übernimmt und wie der Befund ärztlich kontrolliert wird. Welche Haftungsrisiken der Einsatz mit sich bringt, hängt vom jeweiligen System und seinem Einsatzbereich ab.
- Automatischer Verlaufsvergleich mit früheren UntersuchungenDas System stellt frühere Aufnahmen oder Messungen desselben Patienten gegenüber und markiert Veränderungen. Das zählt überall dort, wo die Veränderung selbst der Befund ist.
- Befund in patientenverständlicher FormEs entsteht eine Fassung, die man dem Patienten aushändigen kann. Das ist vor allem bei Selbstzahlerleistungen ein Kriterium.
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Häufige Fragen
Funktionieren solche Produkte mit jedem PVS?
Nicht jedes Produkt arbeitet mit einem PVS zusammen. Manche laufen im PVS, andere im PACS oder in einer eigenen Oberfläche im Browser. Ob Ergebnisse automatisch beim richtigen Patienten in der Akte landen, unterscheidet sich von Produkt zu Produkt und sollte vor der Entscheidung mit dem eigenen System geprüft werden.
Wie zuverlässig sind KI-gestützte Auswertungen?
Eine pauschale Antwort gibt es nicht. Belastbar sind Studien zum konkreten Produkt im konkreten Einsatz, nicht allgemeine Genauigkeitsangaben des Herstellers.
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